Blutwurstgröstl

Ran an die Blunz‘n – Ein Plädoyer für eine unterschätzte Wurstart

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BlutwurstgröstlDie Blutwurst hat nicht viele Freunde, aber dafür einen ziemlich schlechten Ruf. Und der färbt auf all diejenigen ab, die sich in ihre Nähe wagen: Hochgezogene Augenbrauen, begleitet von einem geringschätzigen „Waaaas? So was isst du?!“ – als bekennender Blutwurstesser kenne ich diese Reaktion nur zu gut.

Blutwürste – oder „Blunzen“, wie man sie in Bayern und Österreich nennt – polarisieren wie sonst nur Heuschreckenchips und Mehlwurm-Muffins. Sie sind die Underdogs unter den Fleischwaren, die ungeliebten Schmuddelkinder, auf die sogar der Leberkäse noch herabblickt. Doch warum ist das so? Am Geschmack kann es jedenfalls nicht liegen. Wer die Blunzen unvoreingenommen kostet, wird dafür mit einem Aroma belohnt, das weit vielschichtiger daherkommt als die Fett- und Salzdominanz vieler anderer Wurstsorten. Ich persönlich würde ihren Charakter als „lebkuchig“ beschreiben: erdig-herb und fruchtig-süß zugleich, mit einer deutlichen Präsenz von Ingwer, Zimt, Piment und Pfeffer.

Der Name als Karrierekiller

Dass die Blutwurst dennoch so wenig Beachtung findet, liegt – wie so oft im Leben – an ihrem mangelnden Talent zur Selbstdarstellung. Das geht schon bei ihrem Namen los: Sie heißt schlicht nach dem, was drin ist – basta. Wie man das PR-technisch geschickter anpackt, das lebt seit gut 150 Jahren die Münchner Weißwurst vor: Oder glaubt jemand ernsthaft, die Ikone der bayerischen Kulinarik hätte ihre Weltkarriere auch als „Kalbskopf im Schweinedarm“ antreten können? Eben. „Tja, selber Schuld“, könnte man nun meinen, „hätte sich die Blunzen halt ein Vorbild an der Weißwurst nehmen sollen“. Nur leider ging das nicht. Denn die Blutwurst war schon vorher da – also nicht nur vor der Weißen, die erst im neunzehnten Jahrhundert aufkam, sondern auch vor allen anderen Würsten.

Antiker Partykracher und Folterinstrument

Ob nun Homer die Blutwurst in seiner Odyssee erwähnt oder nicht – darüber streiten sich die Gelehrten. Fest steht jedoch, dass die älteste Wurstsorte der Welt bereits in der Antike bekannt und weit verbreitet war. Die alten Römer schätzten die „Botulus“ als Streetfood, reichten sie aber zuweilen auch zu festlichen Anlässen. So erzählt der Dichter Petronius in seinem Roman Satyricon, wie der neureiche Angeber Trimalchio ein gebratenes Schwein auftischen lässt, aus dem beim Anschneiden die Blutwürste wie Gedärme herauspurzelten. Sehr zur Freude der illustren Gästeschar – das Trojanische Schwein war ein echter Partykracher.

Gut hundert Jahre später klagt der Theologe Tertullian in seinem Werk Apologeticum, die Römer würden ihren christlichen Mitbürgern mit Blutwürsten traktieren – in der irrigen Annahme, der Verzehr von bluthaltigen Speisen sei den Christen ihres Glaubens wegen verboten und würde sie „vom rechten Wege abbringen.“ Die Blutwurst als Folterinstrument? Das hat die Blunzen sicher nicht verdient.

Stilleben mit Blutwurst

Auch in späteren Jahrhunderten absolviert die Blunzen immer wieder Gastauftritte in der europäischen Kunst und Literatur: Unter ihrem irischen Namen „Drisheen“ taucht sie gleich in mehreren Werken von James Joyce auf, und 1941 arrangierte Picasso sie in einem monochromen Stillleben mit Wein, Käse und mehreren Artischocken.

Da hierzulande die kulturhistorische Bedeutung eines Gegenstands zuweilen proportional mit seiner Nähe zu Goethe steigt, schließt mein Plädoyer für die Blutwurst mit einer Anekdote aus dem Dunstkreise des Dichterfürsten. Ihr zufolge kanzelte Bettina von Arnim während einer Ausstellung die ihr intellektuell unterlegene Christiane Vulpius als „toll gewordene Blutwurst“ ab. Hätte es damals schon die Bild-Zeitung gegeben, der Vorfall hätte es mit Sicherheit auf Seite eins geschafft. Schlagzeile „Blunzen-Blamage: biedere Bettina brüskiert das Betthaserl von Goethe.“ Appetit bekommen? Dann ab zum Metzger des Vertrauens. Persönlich empfehlen kann ich den Griesbacher aus Eggenham. Er ist jeden Samstag auf dem Regensburger Kornmarkt vertreten und hat regelmäßig hausgemachte Blunzen dabei. Als Gröstl zubereitet haben die auch schon den einen oder anderen Skeptiker in meinem Freundeskreis überzeugt.

BlutwurstgröstlRezept für Blutwurstgröstl

Zutaten für zwei Personen:

  • 5 gar gekochte und vollständig ausgekühlte Kartoffeln
  • 2 Blutwürste
  • je 1 Zwiebel und Knoblauchzehe
  • Butterschmalz
  • Frische Petersilie
  • Majoran, Pfeffer, Salz und Muskat

Die gekochten Kartoffeln schälen und in ca. 5 mm dicke Scheiben schneiden. Zusammen mit etwas Butterschmalz in eine Pfanne geben und bei mittlerer Hitze in knusprig-braune Bratkartoffeln verwandeln.

Währenddessen die Blutwürste von ihrer Haut befreien und ebenfalls in Scheiben schneiden. Zwiebel und Knoblauch schälen und klein hacken. Eine zweite Pfanne auf den Herd stellen und wieder etwas Butterschmalz hineingeben. Darin zuerst die Zwiebel und den Knoblauch leicht anschwitzen. Dann die Blutwurstscheiben dazugeben und die Hitze hochdrehen.

Während es in beiden Pfannen vor sich hin schmurgelt, gibt es weiter nichts zu tun als hin und wieder umzurühren und nebenbei die Petersilie klein zu hacken. Wie lange man der Brutzlei danach noch zuschauen soll, hängt letztlich davon ab, wie rösch man sein Gröstl essen mag (in meinem Fall: sehr rösch, das gilt sowohl für die Kartoffeln als auch für die Blunzen). Ist der gewünschte Knusprigkeitsgrad endlich erreicht, den Inhalt der Blunzen-Pfanne unter die Kartoffeln heben und alles zusammen kräftig mit Pfeffer, Salz, Majoran und einer Prise Muskat würzen. Zum Schluss noch die Petersilie über das Gröstl streuen und evtl. noch ein Beilagenbier einschenken.

Zu meinem letzten Gröstl hab ich mir ein Spezial-Dunkel von Eichhofener schmecken lassen (danke Eva!) Dunkle Biere gehören sonst nicht zu meinen Favoriten, aber in diesem Fall haben sich der würzig-erdige Geschmack des Gröstls und die feine Malznote des Biers ganz wunderbar ergänzt!

Angelika Krempl

Angelika Krempl

Redakteurin bei Landei Regensburg
Angelika arbeitet als Texterin, träumt aber heimlich davon, sich auf einer Alm in den Alpen niederzulassen. Als verhinderte Hüttenwirtin kocht sie natürlich gerne, am liebsten mit frischem Gemüse vom Regensburger Kornmarkt und einem süffigen Begleitbier dazu. Wenn nicht gerade Winter ist, verbringt Angelika viel Zeit beim Wandern oder auf ihrem Mountainbike. Ob daheim oder in der Fremde ist ihr dabei wurscht – Hauptsache, es geht bergauf. Tipps zu Touren oder Trails sind ihr jederzeit willkommen!
Angelika Krempl
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